„LitRett-Förderung der Emergent Literacy bei Mädchen mit Rett-Syndrom“


Obwohl vor dem Hintergrund der Inklusion niemandem der Zugang zum Medium Schrift verwehrt werden darf, ist dieser für Kinder mit der Diagnose Rett-Syndrom bei weitem keine Selbstverständlichkeit:

Laut einer aktuellen Fragebogenuntersuchung in Deutschland erhielten nur etwa die Hälfte dieser Kinder und Jugendlichen im Alter von 4 bis 18 Jahren eine Anleitung zum Lesen und Schreiben lernen. Das liegt vorrangig daran, dass es aufgrund der überlagernden Beeinträchtigungen (z.B. in der Motorik oder Aufmerksamkeitssteuerung) nur schwer möglich ist, verlässliche Aussagen über ihre kognitiven und sprachlichen Fähigkeiten zu treffen. Folglich wird es ihnen oftmals nicht zugetraut, dass sie jemals Lesen und Schreiben lernen können. Dabei lässt sich kaum aufschlüsseln, ob Fertigkeiten, die ein Kind zum Lesen und Schreiben benötigt, überhaupt nicht entwickelt werden können oder nur noch nicht zu beobachten sind, weil ein Kind noch wenig Kontakt hatte zu Schriftsprachmedien und Anlässen, in denen Schrift sinnvoll erlebt werden kann. Ein solches Kind hatte somit einfach noch zu wenige Gelegenheiten, um ein Interesse an Schrift und wichtigen Vorläuferfähigkeiten für das Lesen und Schreiben zu entwickeln. Es kann diese aber durchaus erlangen, wenn mögliche Hindernisse identifiziert und ihm entsprechend angepasste Gelegenheiten in einem alltagsnahen und interaktiven Kontext geboten werden.

Für Mädchen mit Rett-Syndrom, die so sehr auf Unterstützte Kommunikation angewiesen sind, birgt der Einsatz schriftsprachbasierter Kommunikationssysteme die größtmögliche Autonomie in der Kommunikation und muss deshalb immer ein übergeordnetes Ziel in Sprachtherapie/Logopädie und schulischen Bildungssettings sein. Darüber hinaus stellt das Beherrschen von Lesen und Schreiben meist die Voraussetzung für höhere Bildungsziele dar und wirkt der Stigmatisierung stark entgegen, da es kognitive Fähigkeiten und Potenziale belegbar macht.

Mit meinem Promotionsprojekt „LitRett-Förderung der Emergent Literacy bei Mädchen mit Rett-Syndrom“ an der LMU München möchte ich einen Beitrag dazu leisten, dass der Schriftspracherwerb Kindern mit Rett-Syndrom zugetraut wird. Ich untersuche, mit welchen Methoden Entwicklungen im Bereich der frühen Schriftsprachkompetenzen (Emergent Literacy) angeregt werden können. Darunter fallen beispielsweise das Interesse an und Erfahrungen mit Schrift, die Phonologische Bewusstheit, das Erkennen des Schriftbilds wichtiger Wörter, Buchstabenwissen und kommunikativ-sprachliche Fähigkeiten.

Derzeit nehmen sechs Mädchen mit Rett-Syndrom im Alter von vier bis sieben Jahren an der Studie teil. Sie erhalten insgesamt 30 Wochen therapeutische Begleitung in Form von (Klein-)Gruppentherapie, Elterntraining und Einzeltherapie.

Die Elternhilfe für Kinder mit Rett-Syndrom Landesverband Bayern e.V. unterstützt die Studie im Rahmen der Finanzierung von Arbeitsmaterialien sowie Kameras, die dazu eingesetzt werden sollen, Lernerfolge besser belegbar zu machen.


Jennipher Mathieu hat 2015 den Masterstudiengang Sprachtherapie an der Ludwig-Maximilians-Universität München abgeschlossen. Sie war von 2013 bis 2016 an der LMU München beschäftigt u.a. als wissenschaftliche Mitarbeiterin in einem DFG-Projekt zur Untersuchung von Indikatoren einer Sprachentwicklungsstörung bei mehrsprachigen Kindergartenkindern. Als akademische Sprachtherapeutin arbeitet sie mit vielen (noch) nicht sprechenden Kindern in einer auf die Therapie mehrfachbehinderter Kinder spezialisierten Praxis für Kindersprachtherapie in München. Der Einsatz Unterstützter Kommunikation stellt dabei einen besonderen Schwerpunkt dar. Seit April 2018 befasst sie sich hauptsächlich mit ihrem Promotionsprojekt, der LitRett-Studie.



Text und Photos: Jennipher Mathieu Jan. 2019

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